Historie

Lebenslauf vom Gründer und langjährigen Aufsichtsratsvorsitzenden unserer Genossenschaft Herrn Hochwürden Pfarrer Alois Daisenberger

Alois Daisenberger wurde am 10. Dezember 1864 in Traunstein geboren, am Dienstort seines Vaters Michael Daisenberger, der Eisenbahnbeamter war. Der stammte aus dem Daisenbergerhof (Hausname Doasenberger) in Oberau und starb als königlicher Post- und Bahnoberexpeditor wiederum bei seinem Sohn Pfarrer Alois Daisenberger im Pfarrhof zu Reichersbeuern.

Überliefert ist von einem Chronisten, dass Alois gerne Bauer geworden wäre. Zum Teil sollte sich dieser Berufswunsch dann später auch erfüllen. Zunächst hatte er den Plan, bayerischer Offizier zu werden, er folgte aber, weil auch seine Lehrer ihm die geistigen Fähigkeiten bestätigten, dem Wunsch seiner Eltern und studierte Theologie. Als er mit dem Studium fertig war, diente er bei den Schweren Reitern. Nach Ableistung seiner Dienstzeit wurde er zum Priester geweiht.

Am 15. April 1888 feierte er in Oberammergau seine Primiz.

Von April 1888 bis zum Juni 1890 war Alois Kooperaturverweser in Ruhpolding und Irschenberg. Weitere Stationen seines priesterlichen Wirkens waren Wollomoos bei Altomünster, Niederroth bei Dachau und Frauenried bei Miesbach. Am 17. Dezember 1902 wurde er Pfarrer in Reichersbeuern. Hier erfüllte sich auch der Traum seiner Kindheit: Zum Pfarrhaus gehörte nämlich eine umfangreiche Landwirtschaft. Der Pfarrstall hatte vier Pferde, etwa 40 Stück Rindvieh und manchmal auch eine Herde von Schafen. In einem Artikel über Daisenberger ist zu lesen: „Nicht selten sah man ihn mit einer Bremsenöl getränkten Hühnerfeder auf seinem schwarzen Strohhut, auf dem Heuwender oder Schwadenrechen sitzen.“ Er half den Knechten wo er konnte.

Den Bauern des Oberlandes ging es in der Zeit nach dem ersten Weltkrieg nicht allzu rosig. Als Altbaier wusste Daisenberger, wie wichtig der Preis des Volksgetränkes Bier für seine Landsleute war. Deshalb gründete er drei Genossenschaftsbrauereien: Am 23. Oktober 1924 Reutberg, fast zeitgleich wurde am 21. Februar 1925 Holzkirchen aus der Taufe gehoben und am 22. April 1927 Grafing.

Daisenberger zeigte sich auch in anderen Dingen als echter Oberlandler. Als er von 1892 bis 1902 in Frauenried bei Miesbach, Kurat und Schulbenefiziat war, nahm er sich der Musikkapelle Niklasreuth an. Er entwickelte aus der damals üblichen Blechmusik die „türkische“ Besetzung mit Klarinetten, Flöten und Trommeln. Ebenfalls gründete er 1900 die Harmoniemusik Niklasreuth mit Geigen und anderen Streichinstrumenten. Als Pfarrer in Reichersbeuern gründete er 1919 die Musikkapelle Reichersbeuern. Im Gegensatz zu anderen Pfarrern, die in den Anfängen erbitterte Feinde der Trachtensache waren und die sich weigerten die Fahnen der jungen Vereine zu weihen, weihte er 1908 die Fahne des Trachtenvereins Reichersbeuern. Von 1928 bis 1932 wird er in den Dokumenten des Bayerischen Landtags als Abgeordneter für die Bayerische Volkspartei geführt. Die Einträge im Sprechregister weisen ihn häufig als Redner aus. Er äußerte sich im Parlament vor allem zu Fragen der Land- und Forstwirtschaft, Gebieten, von denen er wirklich etwas verstand. So beriet er auch die Mitglieder seiner Pfarrei in Sachen Landwirtschaft, Obstanbau und Bienenzucht. Unter anderem war er auch Bezirksvorstand der Landwirtschaftlichen Darlehenskassenvereine im Bezirk Bad Tölz und 2. Vorstand des Zuchtverbandes für Oberbayerisches Alpenfleckvieh.

Bemerkenswert müssen die menschlichen Eigenschaften von Alois Daisenberger gewesen sein. Seine Schüler erinnerten sich mit großer Wärme und Sympathie an ihn. Daisenberger hatte viel Humor und Verständnis für die Kinder, die sich in der Kirche halt nicht immer ganz ruhig verhielten. Als einmal besonders fromme, ältere Frauen die Buben in den vorderen Reihen beim Pfarrer verklamperten und sich beklagten, dass sie geschwätzt hätten, soll er gesagt haben, dass ihnen das eigentlich gar nicht hätte auffallen dürfen, wenn sie selbst nur andächtig genug gewesen wären und nur in das Gebetbuch geschaut hätten.

Alois Daisenberger starb am 26. Oktober 1951 und ruht auf dem Friedhof in Reichersbeuern, in dem Ort, in dem er fast fünfzig Jahre als Priester gewirkt hat. Die Gemeinde hat ihren Ehrenbürger und sein segensreiches Wirken bis heute nicht vergessen. Es erinnert dankend eine Marmorehrentafel an der Kirchenaußenwand von St. Korbinian an ihn.
 
 

Holzkirchner Brautradition

Mitte des 15. Jahrhunderts ließ der Tegernseer Abt Kaspar Aindorffer auf dem Marktplatz in Holzkirchen den heute noch vorhandenen Brunnen graben. In diesen Jahren dürfte auch im Haus „Zum Bau“ neben dem alten Rathaus die erste Holzkirchner Brauerei ihren Betrieb aufgenommen haben. Damit kann Holzkirchen mit hoher Wahrscheinlichkeit auf mehr als 500 Jahre Brautradition verweisen. Von den beiden im Jahr 1995 noch bestandenen Holzkirchner Brauereien fehlen Aufzeichnungen über die genauen Gründungsjahre. In den Jahren um 1670 werden jedoch erstmals in den Urkunden der Marktgemeinde Holzkirchen 4 Brauhäuser (Bauernbräu, Hauslbräu, Oberbräu und Unterbräu) genannt. Der „Bauernbräu“ wurde 1827 in „Postbräu“ umbenannt, nachdem der damalige Besitzer dieses Anwesens, Jakob Holfeld, im Jahre 1816 erster Holzkirchner Posthalter wurde. Durch die Jahrhunderte seit der ersten urkundlichen Nennung wechselte der „Bauernbräu“ bzw. der „Postbräu“ häufig den Besitzer. Die Braustätte kam in diesen Zeiten kaum über eine örtliche Bedeutung hinaus.

Gründung der Brauereigenossenschaft

Am 21. Februar 1925 trafen sich in der „Alten Post“ in Holzkirchen 30 Gründungsmitglieder unter der Führung von Pfarrer Alois Daisenberger aus Reichersbeuern und hoben die Brauereigenossenschaft Holzkirchen aus der Taufe. Als erste Vorstandsmitglieder sind die Landwirte Josef Ströbl aus Baiernrain, Paul Haas aus Holzkirchen und Michael Humpl aus Arget, gewählt worden. Pfarrer Daisenberger wurde Vorsitzender des Aufsichtsrates. Auch Andreas Mang aus Wettlkam der später von 1962 bis 1975 als Vorstandsvorsitzender an der Spitze der Genossenschaft stand, gehörte zu den Männern der ersten Stunde und wurde in den ersten Aufsichtsrat berufen. Noch im ersten Jahr erhöhte sich die Zahl der Mitglieder auf 220, ein Beweis dafür, dass mit der Gründung der Genossenschaft einem echten Bedürfnis Rechnung getragen wurde. Als Vorstandsvorsitzender war dann Josef Weiß aus Holzkirchen bis 1949 im Amt. Die Bauernschaft hatte zu dieser Zeit schwer an den Folgen des ersten Weltkrieges und der Inflation zu leiden. Die Bitte um einen verbilligten Haustrunk für die bäuerlichen Betriebe, wie er vor dem Kriege bei Selbstabholung gewährt wurde, fand in Brauerkreisen kein Gehör. So griffen die Bauern um Holzkirchen zur Selbsthilfe und die Brauereigenossenschaft Holzkirchen wurde geboren. Ein echtes Kind der Not. Keiner von denen, die „an der Wiege standen“, konnte voraussehen, wie schnell dieses „Kind der Not“ zu einer des angesehensten Mittelstandsbrauereien des bayerischen Oberlandes wachsen würde.

Die Leistung des bäuerlichen Verwaltungsrates, welcher ohne entsprechende Erfahrung in der Brauwirtschaft und unter größten Finanzschwierigkeiten mit vollem persönlichen Einsatz und Haftung mit dem eigenen Vermögen, das junge Unternehmen durch die Gründerjahre führte und später die zahllosen Erschwernisse des zweiten Weltkrieges und der Nachkriegsjahre überwinden musste, kann nicht hoch genug gewürdigt werden. Besondere Anerkennung gebührt an dieser Stelle dem langjährigen Geschäftsführer und Direktor Josef Maier, dessen berufliches Leben vom Gründungsjahr bis zu seinem Ruhestand mit der Brauereigenossenschaft Holzkirchen unlösbar verbunden war.

Die Not des Bauernstandes zu lindern war in den Gründungsjahren erstes Ziel der Genossenschaft. Bis zum Beginn des zweiten Weltkrieges wuchs der Bierausstoß, welcher sich bei Anpachtung der Postbrauerei im Jahre 1925 auf die Versorgung der Brauereigaststätte „Alte Post“ und weniger kleiner Gaststätten und Privatkunden beschränkte, auf eine stattliche Hektoliterzahl an. Auf Grund der Rohstoffrationierung in den Kriegs- und Nachkriegsjahren bis zur Währungsreform, jeder Bierfreund erinnert sich nur ungern an diese „Dünnbierzeit“, musste dann mit dem Jahr 1948 ein neuer Anfang gemacht werden. Die folgenden Jahre des sogenannten Wirtschaftswunders brachten auch für die Brauereigenossenschaft in kürzester Zeit eine Ausstoßentwicklung, welche Anfang der 60er Jahre in den räumlichen und technischen Kapazität der Brauerei ihre Grenzen fand. Als Vorstandsvorsitzender stand in der Zeit von 1949 - 1962 Hans Vogl aus Holzkirchen an der Spitze. Somit wurde in den Jahren 1967/68 und 1973/74 auf Höhe der Zeit für eine Mittelstandsbrauerei entsprechenden technischen und rationellen Betriebsablauf modernisiert.

Unter dem Portrait des Gründers hat sich der Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung im Jubiläumsjahr 1975 versammelt.
 
 
 
Stehend von links:
Aufsichtsrat Hans Kauderer, Holzkirchen; Aufsichtsrat Sebastian Scheidl, Unterherrnhausen; Aufsichtsrat Josef Schmid, Kleinhelfendorf; Aufsichtsrat Josef Sedlmayr, Oberdarching; Vorstandsmitglied Gabriel Lüftiger, Holzkirchen; Aufsichtsrat Josef Wöstner, Bergham; Aufsichtsrat Jakob Reiser, Hellerschwang; Aufsichtsrat Sebastian Mainwolf, Niederhofen; stellv. Aufsichtsratsvorsitzender Valentin Lang, Sonnenham

Sitzend von links:
Vorstandsmitglied Josef Berger, Hohenbrunn; Vorstandsmitglied Georg Grasberger, Grafing; stellv. Vorstandsvorsitzender Josef Weise, Unterhaching; Vorstandsvorsitzender Andreas Mang, Wettlkam; Aufsichtsratsvorsitzender Josef Eichner, Jasberg; Direktor in Rente Josef Maier, Holzkirchen; Geschäftsführer Erich Schrott, Holzkirchen
11 Mitgliedern aus dem Gründerjahr, konnte zu ihrem 50zig jährigen Jubiläum in der Versammlung 1975 gratuliert werden.

Warum es zum Umzug vom Pachtbetrieb in den Neubau, der sich im Gewerbegebiet harmonisch mit flachen Giebeln in die Landschaft einfügt kam. Formulierte Vorstandsvorsitzender Josef Berger aus Hohenbrunn bei seiner Rede zur Einweihung im Juli 1984 so: Es wurden in der Zeit von 1967 bis 1974 in den Pachtbetrieb 4 Millionen Mark investiert. Damit war vom Sudhaus bis zum Lagerkeller für eine ausreichende Kapazität gesorgt. Der Bau einer Vertriebshalle wurde aber vom Verpächter nicht zugelassen, so dass man sich 1979 zum Neubau auf „der grünen Wiese“ entschließen musste. Zunächst einmal wollte man nur die Bauabschnitte 1 und 2 (Ladestraße, Bürohaus, Stapelhalle, Flaschenkellerei, Werkstätten, Gär-, Filter- und Lagerkeller, Wasseraufbereitung und Heizung) aussiedeln. Das Sudhaus sollte im Ortskern von Holzkirchen im Pachtbetrieb erhalten bleiben. Als aber Ende 1982 der Pachtvertrag vom Verpächter gekündigt wurde, musste man den dritten Bauabschnitt (Malzsilos, Malzreinigungsanlage, Sudhaus und Plattenkühler) sofort in Auftrag geben.

Immer schon hat sich das Bild unseres Wirtschafts- und Gesellschaftslebens vielfach gewandelt. Seit Anfang der 70iger Jahre steht aber die mittelständische Brauwirtschaft in einem extremen Existenzkampf, dessen Härte sich durch die Zahl der Sudstättenschließungen massiv verdeutlicht hat. Somit viel für eine Mittelstandsbrauerei der großzügige Neubau mit weiteren Fusionsplänen in eine unglückliche Zeit und stand in finanzieller Hinsicht unter keinem guten Stern. Die in der Bilanz aufgelaufenen Verpflichtungen für Betriebsrenten, taten ihr übriges dazu. Somit musste sich die nachfolgende Führung 1995 entschließen, den Getränkevertrieb komplett in die Hände des ortsansässigen Mitbewerbers Oberbräu zu legen. Dieser als fairer Geschäftspartner auch alle vereinbarten Verpflichtungen erfüllte. Ebenso erfüllte dessen Nachfolger das König Ludwig Brauhaus Holzkirchen alle vertraglichen Verpflichtungen und arbeitet auch weiterhin bestens mit der Brauereigenossenschaft zusammen.

Heute ist die wirtschaftliche Lage wieder in geordneten Verhältnissen und die Hauptaufgaben der Brauereigenossenschaft bestehen in der Immobilien- und Vermögensverwaltung, der Erzeugung regenerativer Energie durch den Betrieb einer Photovoltaikanlage auf dem Verladehallendach, die Auszahlung der verbliebenen Betriebsrenten, die Mitgliederverwaltung und eine modern-traditionelle Markenbewirtschaftung.

Die jährliche Generalversammlung der Genossenschaft, „dem Rausch sein Jahrtag“, wie vorlaute Mäuler kolportieren, hatte im Laufe der Jahrzehnte schon an verschiedenen Orten in Holzkirchen stattgefunden. So mancher Genosse, fiebert immer wieder gerne dem neuen Termin entgegen. Aktuell findet die Versammlung immer im Festzelt statt, am Festsamstag des Holzkirchner Frühlingsfestes, dieses bewährt vom Musikzug ausgerichtet wird. Zu dieser Vollversammlung, haben wie bei allen anderen Kredit-, Waren- oder Dienstleistungsgenossenschaften nur die Genossenschaftsmitglieder mit ihrer schriftlichen Einladung Zutritt. Es sei gesagt, am Holzkirchner Frühlingsfest wird seit Jahrzehnten die gleiche Sorte Bier ausgeschenkt, das Exportbier „Holzkirchner Gold“.

Heute sind nicht nur die vielen Mitgliederfamilien die im Umkreis von ca. 35 Kilometer um Holzkirchen ihr zuhause haben und teils schon in der vierten oder fünften Generation treue Genossenschaftsmitglieder sind, die Kenner und Schätzer der Bierqualität aus den Holzkirchner Sudkesseln. Sondern es kommen von den neuen Mitbürgern immer mehr hinzu, sie bleiben es teilweise auch, wenn sie den Wohnort wieder wechseln. Qualität, Regionalität und Heimat - haben eben keine festen Grenzen!